Dreh‘ die Lautstärke auf!

Ob Folk- oder Rockmusik, Techno oder Klassik – Ungarn schlägt die richtigen Töne für anspruchsvolle Ohren an. Ungarns klangvoller Beitrag zur internationalen Musikkultur und alle Orte, an denen Magyaren auftreten...

Es steht außer Frage, dass Ungarn die klassische Musik entscheidend mitgeprägt hat. Franz Liszt ist wahrscheinlich der bedeutendste ungarische Komponist: ein Virtuose am Klavier, ein echter „Rockstar" seiner Epoche – Zeitgenossen feierten ihn als besten Pianisten überhaupt – und ein Genie, wenn es ums Komponieren ging. Er inspirierte nicht nur zahlreiche Musiker seiner Zeit, er nahm auch Ideen und Entwicklungen vorweg, die sich erst im 20. Jahrhundert so richtig durchsetzten. Wer mehr über Liszts Leben und Wirken erfahren will, sollte dem Franz-Liszt-Museum und Forschungszentrum einen Besuch abstatten (www.lisztmuseum.hu).

Das frühe 20. Jahrhundert brachte zwei weitere außergewöhnliche Charaktere hervor: Béla Bartók und Zoltán Kodály machten sich auf, ungarische Volksweisen aus dem gesamten Karpatenbecken zusammenzutragen und in ihre Musik einfließen zu lassen.

Wohin gehen, wenn einem der Sinn nach Klassik steht? Nun, die Auswahl ist groß. In der Staatsoper kommen alle großen europäischen Opern zur Aufführung (selbstverständlich auch ungarische), darüber hinaus bedeutende klassische Konzerte und anmutiges Ballett (www.opera.hu). Der imposante Bau hat schon viele berühmte Gesichter gesehen; die Liste der Kapellmeister umfasst große Namen wie Gustav Mahler und Otto Klemperer. Immer einen Besuch wert ist auch der Palast der Künste. Er beherbergt neben dem Ludwig-Museum zeitgenössischer Kunst den Nationalen Béla-Bartók-Konzertsaal, in dem regelmäßig bedeutende Künstler der Klassik, der Weltmusik oder des Jazz zu Gast sind (www.mupa.hu). Allein das Gebäude ist ein echter Hingucker! Werfen Sie auf jeden Fall einen Blick auf die Orgel – sie ist eine der größten in Europa.

In den Sommermonaten findet die Musik auf der Open-Air-Bühne der Margareteninsel ein vorübergehendes Zuhause. Eine gute Wahl sind aber auch die Kirchenkonzerte in der St.-Stephans-Basilika oder der Kiscelli-Kirche. Steht Ihnen der Sinn eher nach Operette? Werden sie Zeuge der epischen Liebesgeschichten von Romeo und Julia oder der Schönen und dem Biest – einige Aufführungen werden auch mit englischen Untertiteln angeboten (www.operettszinhaz.hu).

Wie siehts mit Folkmusik aus? Zu Zeiten des Kommunismus galt volkstümliche Kunst als Abweichung von der Grundideologie und wurde konsequent an den Rand gedrängt. Dadurch entwickelte sie sich in den letzten Jahrzehnten sozialistischer Herrschaft als Form des Widerstands. Heute gibt es in Ungarn eine große Zahl erfolgreicher Folkmusik- und Tanzgruppen. Márta Sebestyén ist wahrscheinlich der Name, der Ihnen als erstes ins Gedächtnis kommt. Ihre Mutter war Schülerin von Zoltán Kodály und heute verkörpert Sebestyén den ungarischen Folk wie niemand sonst; ihre Konzerte in aller Welt sind regelmäßig ausverkauft. Das ultimative Folkmusik-Erlebnis garantieren aber auch Aufführungen der Bands Csík oder Ghymes.

Popmusik wird auf vielen Festivals im ganzen Land geboten. An allererster Stelle steht das Sziget Festival (www.sziget.hu), das zu Europas bester Großveranstaltung gewählt wurde. Anfang August wird die Stadt von einer Flut junger Menschen überschwemmt, schwer bepackt mit riesigen Rucksäcken, Zelten und Schlafsäcken. Sie alle sind buchstäblich „reif für die Insel": Denn für das Festival verwandelt sich die 108 Hektar große Óbuda-Insel in eine gigantische Partymeile mit mehreren Bühnen, zahllosen Aktionsflächen, Chill-Out-Areas und außergewöhnlichen Kunst-Installationen.

Wer seine Musik etwas elektronischer mag, für den ist Balaton Sound die richtige Wahl. In einer bequemen Hängematte am Strand von Zamárdi liegend, durchdringen die Beats den Körper noch mal so gut (www.sziget.hu/balatonsound)! Die Underground-Variante des elektronischen Musikfestivals ist Ozora, ein Goa-Festival, das sich selbst vielsagend als „Psychedelisches Stammestreffen" bezeichnet. Klingt verheißungsvoll? Details unter www.ozorafestival.eu!  Fans von Rock und Hard Rock zieht es jedes Jahr zum Hegyalja Festival. Passenderweise findet es in Tokaj statt, einem der größten Weinbaugebiete Ungarns – hier ist für Nachschub an erfrischender Weinschorle auf jeden Fall gesorgt!

NEO, Irie Maffia, Anima Sound System, Zagar... klingelts bei diesen Namen? Ob in der Pop-, Alternative- oder elektronischen Musikszene, einige ungarische Bands haben es auf den internationalen Bühnen bis ganz nach oben geschafft und sind als Live-Performance immer ein Erlebnis. Im A38 (einem ausrangierten und zur Konzertbühne umfunktionierten Schiff) geben sie sich die Klinke in die Hand. Die Location wurde vom Reiseführer Lonely Planet übrigens zum besten Club gewählt!

Aber auch die Fans des Jazz kommen in Ungarn voll auf ihre Kosten. Seit sich die Benko Dixieland Band 1957 zusammenfand, hat sie zahllose internationale Preise einheimsen können. Selbst der frühere US-Präsident Ronald Reagan ließ es sich nicht nehmen, die Musiker für ihren Jazz zu loben. Die Benko Dixieland Band gibt etwa 250 Konzerte im Jahr, die in aller Regel schnell ausverkauft sind – eines davon sollte man sich auf jeden Fall gönnen! Aber auch Elemér Balázs gehört gehört: Jazz-Titan Pat Metheny adelte ihn immerhin als „einen der besten Schlagzeuger unserer Zeit." Mit eigener Jazz-Band tourt Elemér Balázs durch das Land (und die Welt) – Pflichtprogramm!

Wo sich all der Jazz finden lässt? Zum Beispiel im Budapest Jazz Club, im Columbus Jazz Club und im Jazz Garden.