Geschichte

Kleine Geschichte Ungarns
 
Bereits in der Altsteinzeit befanden sich menschliche Ansiedlungen im Karpatenbecken. Nach den Kelten (etwa im Jahr 10 nach Christus) errichteten die Römer einen Truppenstützpunkt auf dem Gebiet des heutigen Budapest und gründeten die Provinz Pannonien mit der Hauptstadt Aquincum. Die Donau bildete die Grenze der Provinz (Danubia-Limes). Man begann mit dem Weinbau. Kaiser Trajan teilte die Provinz. Zwischen 166 und 180 fielen die Barbaren (Markomannen, Quaden und Sarmaten) ein. Ab 303 Christentum, 433 bis 454 herrschten die Hunnen in dieser Gegend. Ihr König war Attila. Im Jahre 454 begann wie der die Völkerwanderung: Germanen (Ostgoten und Langobarden) in Ungarn. Die Awaren (wahrscheinlich kamen sie aus Zentralasien) eroberten das Karpatenbecken im Jahre 568. Zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert wanderten die turkstämmigen Wolga-Bulgaren und die Slawen ein. Am Ende des 8. Jahrhunderts unterwarf Karl der Große die Awaren. Von 500 vor und bis 700 nach Christus wanderten sie vom südlichen Ural bis in das Gebiet des heutigen Baschkirien.
 
Landnahme
Um 700 nach Christus lebten die Magyaren in der Nachbarschaft der Bulgaren, Türken und Alanen im Gebiet zwischen Don und Asowschen Meer. Die sieben Magyarenstämme unter dem Fürsten Árpád eroberten das Karpatenbecken 796. Nach dieser Landnahme gaben die Magyaren das Nomadenleben auf, sie wurden sesshaft.
 
Árpádenzeit
 
Die Herrschaft der Árpáden-Dynastie begann 972. Stephan (István), Sohn des Großfürsten Géza, heiratete 996 Gisela von Bayern (Schwester von Kaiser Heinrich II.). Im Jahre 1000 wird Großfürst Stephan vom Papst zum König gekrönt, er gründete den christlichen Ungarischen Staat. Das Königreich schloss Siebenbürgen (Transsylvanien, Erdély), das Tatra-Massiv und die Adriaküste ein. Stephan wurde 1083 heilig gesprochen. Ladislaus I (László), "der Ritterkönig" - später auch heilig gesprochen - und Kálmán festigten die Einheit des Feudalstaates, eroberten Dalmatien und Kroatien. Starker byzantinischer Einfluss auf die Ungarische Kunst (1077 - 1116). König Andreas (Endre, András) II. erließ 1222 die Goldene Bulle, die dem Adel verschiedene Rechte einräumte. Tatarenhorden aus dem Osten verheerten 1241 große Teile Ungarns und zerstörten Hunderte von Dörfern und Kirchen, die erst unter Béla IV. wieder aufgebaut wurden. Die von ihm errichteten steinernen Burgen vermochten danach feindliche Angriffe lange abzuwehren. Mit dem Tod von András (Andreas) III. starb das Geschlecht der Arpáden aus.
 
Die Ära Anjou
 
Kaiser Siegismund von Luxemburg war von 1387 - 1437 König Ungarns, römisch-deutscher Kaiser und eine bedeutende Persönlichkeit in der damaligen europäischen Politik. Unter der Befehlsgewalt des Reichsverwesers János Hunyadi schlug Ungarn mehrmals die Türken. Die Budaer Burg war unter der Herrschaft von König Matthias Corvinus (Mátyás) I. zu einem europäischen Zentrum der humanistischen Kultur geworden. König Matthias I. eroberte Wien und besiegte mehrmals die Türken. In seiner Zeit war das Territorium Ungarns am größten: z. B. hatte Ungarn damals drei verschiedene Meeresküsten (Adria, Schwarzes Meer, Ostsee). Die Bibliothek von König Matthias enthielt die zweitgrößte Kodex-Sammlung im damaligen Europa.
 
Die Herrschaft der Osmanen
 
1526 Schlacht bei Mohács: vernichtende Niederlage der Ungarn gegen die Türken, danach beherrschen mehr als 150 Jahre lang die Osmanen einen Großteil von Ungarn, auch Buda und Pest, die Habsburger einen schmalen Streifen Land im Westen und im Norden (das "königliche" Ungarn), Osten und Südosten blieben unter Ungarischer Herrschaft. Vom 16. bis 17. Jahrhundert schützte Ungarn die christliche Welt vor dem osmanischen Reich.

Die "Goldene Ära Siebenbürgens" erlebte das Land unter der Herrschaft von Fürst Gábor (Gabriel) Bethlen (1613 - 1629).
 
Die Ära Habsburg
 
Mit Hilfe der "Habsburger Armee" wurden die Türken vertrieben und Buda 1686 zurückerobert. Die Burg wurde bei der Wiedereroberung fast vollständig zerstört. Das Land litt sehr stark unter den Türken und den Habsburgern. Nachdem die türkische Gefahr vorüber war, forderte das Land mit aller Kraft seine Unabhängigkeit. Im 18. Jahrhundert begann die Ansiedlung von Deutschen aus dem süddeutschen Raum (Schwaben, Sachsen, Bayern).
 
Fürst Ferenc Rákoczi führte 1703 erneut den Aufstand gegen die Habsburger. Sie schlugen 1711 den Aufstand, aber seine Burg, die Burg von Sárospatak, wurde in der Geschichte Ungarns zu einem Symbol der gegen die Habsburger geführten Kämpfe. 1711 Frieden von Szatmár - das Habsburger Erbfolgerecht wurde wiederhergestellt, die Selbstverwaltung der Ungarischen Stände wurde anerkannt. Durch eine pragmatische Sanktion wurde 1722 die weibliche Thronfolge gebilligt. Von 1740 bis 1780 war die legendäre Maria Theresia von Habsburg die Königin von Ungarn. Im Jahre 1785 wurde die Deutsche Sprache als Amtssprache eingeführt.
Mit dem Landtag in Pozsony (Pressburg) begann 1825 die Reformbewegung unter Graf Szechenyi. Er forderte die nationale Unabhängigkeit und stiftete die Mittel zur Gründung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Von 1843 an war die Ungarische Sprache wieder Amtssprache.
 
Am 15. März 1848 brach die Revolution in Pest aus und das Volk stürmte los. Graf Lajos Batthyány wurde am 18. März zum Ministerpräsidenten gewählt. Am 15. September wurde der Landesverteidigungsausschuss unter Lajos Kossuth gebildet. Am 14. April 1849 wurde das Haus Habsburg abgesetzt, die Unabhängigkeit Ungarns wurde erklärt, Kossuth wurde zum Reichsverweser gewählt. Die Revolution 1848 wurde von den Werken des Dichters Sándor Petőfi inspiriert.
 
Die Habsburger (mit Hilfe der gerufenen Russen) schlugen (13. 08. 1849 Ungarische Kapitulation bei Világos) den Aufstand und Befreiungskrieg blutig nieder: der Ungarische Ministerpräsident Graf Lajos Batthyány und 13 Generäle Ungarns (davon zwei gebürtige Deutsche und vier Österreicher) wurden hingerichtet. Der Befreiungskampf war ein wichtiger Abschnitt in der damaligen europäischen Freiheitsbewegung.

Mit der Doppelmonarchie (k.u.k.) Österreich-Ungarn kam 1867 die Versöhnung mit dem Herrscherhaus zustande und Kaiser Franz Joseph I. wurde König von Ungarn. Im Jahre 1873 wurden die bis dahin selbständigen drei Städte Pest, Buda, Obuda unter dem Namen Budapest vereint. Budapest entwickelte sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zur Weltstadt. Die interessante Atmosphäre der Hauptstadt Ungarns stammt in ihren Anfängen aus dieser Zeit.
 
Im Jahre 1894 starb Lajos Kossuth im Exil in Torino (Turin), Italien.